{"id":265,"date":"2017-05-28T16:33:06","date_gmt":"2017-05-28T14:33:06","guid":{"rendered":"http:\/\/theory-of-science.com\/de\/?page_id=265"},"modified":"2021-02-06T11:00:52","modified_gmt":"2021-02-06T10:00:52","slug":"uebung-04-02","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/uebungen\/abschnitt-04\/uebung-04-02\/","title":{"rendered":"\u00dc4-2: Mengensysteme mit Pr\u00e4dikaten"},"content":{"rendered":"\n<p>Zur Mengensprache werden einige <em>Pr\u00e4dikate<\/em> <em>p<\/em><sub>1<\/sub>, &#8230;, <em>p<sub>n<\/sub><\/em> hinzugenommen, welche den Zweck haben, mehr Praktisches auszudr\u00fccken&nbsp;\u2014 zum Beispiel: eine empirische Theorie zu beschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Pr\u00e4dikat l\u00e4sst sich am besten als eine Art von Name f\u00fcr eine bestimmte Menge oder f\u00fcr eine bestimmte Art von Menge verstehen, f\u00fcr die sich einige Personen genauer interessieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei formallogischer Darstellung der Mengenlehre wird zun\u00e4chst eine Mengensprache spezifiziert (siehe <a href=\"http:\/\/theory-of-science.com\/de\/uebungen\/abschnitt-04\/uebung-04-01\/\">\u00dc4-1<\/a>). Dazu werden einige wenige Grundbegriffe, wie: =, \u2208, { }, \u2329 \u232a, viele Symbole f\u00fcr Variable, eventuell einige (\u00abendlich viele\u00bb) Pr\u00e4dikate, einige Regeln verwendet, mit denen aus den genannten Sachen S\u00e4tze, Formeln und Terme gebildet werden, und mit denen einige grundlegende Hypothesen (Axiome) f\u00fcr das Gesamtsystem aller Mengen formuliert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn auch mehr praktische Untersuchungsbereiche bereit gestellt werden sollen, werden Pr\u00e4dikate eingef\u00fchrt, welche empirische Dinge, Sachverhalte, Ereignisse beschreiben sollen. Um dies auszudr\u00fccken, m\u00fcssen die Pr\u00e4dikate und die Variablen interpretiert werden. In der Mengenlehre gibt es nur eine Art von Entit\u00e4t, die f\u00fcr eine Interpretation von Symbolen in Frage kommt, n\u00e4mlich <em>Mengen<\/em>, oder pr\u00e4ziser: ein Bereich von Mengen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Interpretation eines mengentheoretischen Satzes werden die Variablen bei einer Auswertung durch (Namen von) Mengen ersetzt. In \u00e4hnlicher Weise wird auch bei Pr\u00e4dikaten verfahren. Wir unterscheiden gleich am Anfang drei Arten von Pr\u00e4dikaten, n\u00e4mlich spezielle 1-stellige, \u00abechte\u00bb 1-stellige und <em>n<\/em>-stellige ( <em>n<\/em> &gt; 1 ) Pr\u00e4dikate.<\/p>\n\n\n\n<p>Spezielle 1-stellige Pr\u00e4dikate werden <em>Konstanten<\/em> genannt. Ein spezielles 1-stelliges Pr\u00e4dikat <em>p<sub>i<\/sub><\/em> hat einen Namen und es wird durch eine einelementige Menge interpretiert, d.h. eine Menge, die genau ein Element enth\u00e4lt. Oft ist in der Interpretation das einzige Element eine reelle Zahl \u03b1. Oft wird das Pr\u00e4dikat mit einem hervorgehobenen Symbol als Name verwendet. Oft werden solche 1-stelligen Pr\u00e4dikate nur bei funktionaler Schreibweise verwendet.<br>Zum Beispiel wird die <em>Planck<\/em>sche Konstante mit <em>h<\/em> bezeichnet. Die Interpretation von <em>p<sub>i<\/sub><\/em>, also der <em>Planck<\/em>schen Konstante, hat dann die Form { <em>h<\/em> }. Dabei werden in der Praxis die Mengenklammern weggelassen. In einem Beweis sollte mengentheoretisch z.B. eine Gleichung so geschrieben werden: { <em>h<\/em> } = <em>x<\/em>. In praktischen Rechnungen werden aber Mengen kaum explizit verwendet; so dass z.B. auch <em>h<\/em> = <em>x<\/em> geschrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>a)<\/strong> Finden Sie in Ihrem Wissensbereich zwei Konstanten, die zu einer Theorie geh\u00f6ren. Versuchen Sie bei jeder Konstante die Funktion der Konstante zu beschreiben. Mit welchen anderen Begriffen h\u00e4ngt die jeweilige Konstante zusammen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein \u00abechtes\u00bb 1-stelliges Pr\u00e4dikat <em>p<sub>i<\/sub><\/em> wird durch eine Menge interpretiert, die mehr als ein Element enth\u00e4lt. Dieser Zusatz \u00abmehr als ein\u00bb wird in praktischen Anwendungen meistens nicht verwendet. Dieser Zusatz wird nur bei mengentheoretischen, meta-theoretischen \u00dcberlegungen ins Spiel gebracht. Wenn die interpretierte Menge einen Namen, z.B. <em>Pr\u00e4d<\/em>, hat, k\u00f6nnen alle Formen verwendet werden: <em>Pr\u00e4d<\/em> = <em>x<\/em>, <em>Pr\u00e4d<\/em>&nbsp;\u2208 <em>x<\/em> und <em>x<\/em>&nbsp;\u2208 <em>Pr\u00e4d<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant wird es, wenn in einem System mehrere 1-stellige Pr\u00e4dikate verwendet werden, welche dann nat\u00fcrlich \u00abirgendwie\u00bb auch miteinander zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispiele:<br>In einer mikro\u00f6konomischen Theorie spielen Waren eine zentrale Rolle. In einem Modell dieser Theorie wird immer eine Menge von Waren verwendet. Formal wird ein 1-stelliges Pr\u00e4dikat, z.B. <em>Waren<\/em> eingef\u00fchrt, welches in jedem Modell durch eine Menge von Waren interpretiert wird. Eine bestimmte Ware <em>w<\/em> ist dann ein Element von <em>Waren<\/em>: <em>w<\/em>&nbsp;\u2208 <em>Waren<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Theorie k\u00f6nnen auch spezielle Eigenschaften von Waren eine Rolle spielen. Zum Beispiel gibt es Waren, die fl\u00fcssig sind, oder andere die essbar sind. F\u00fcr diese Eigenschaften werden 1-stellige Pr\u00e4dikate eingef\u00fchrt, z.B. <em>fl\u00fcssig<\/em> und <em>essbar<\/em>. Formal kann eine solche Eigenschaft durch eine Teilmenge der Warenmenge <em>Waren<\/em> dargestellt werden: <em>fl\u00fcssig<\/em>&nbsp;\u2282 <em>Waren<\/em> und <em>essbar<\/em>&nbsp;\u2282 <em>Waren<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer sozialpsychologischen Theorie von <em>Heider<\/em> (Heider, 1946) wird eine Menge von Personen und eine Menge von Objekten verwendet. Beide Mengen k\u00f6nnen durch 1-stellige Pr\u00e4dikate beschrieben werden. Nennen wir das erste Pr\u00e4dikat <em>Personen<\/em> und das zweite Pr\u00e4dikat <em>Objekte<\/em>. In einem Modell wird <em>Personen<\/em> durch eine Menge von Personen interpretiert und <em>Objekte<\/em> durch eine Menge von Objekten. Ein bestimmtes Element <em>p<\/em> aus <em>Personen<\/em> ist dann eine bestimmte Person: <em>p<\/em>&nbsp;\u2208 <em>Personen<\/em>; ein Element <em>ob<\/em> aus <em>Objekte<\/em> ein Objekt: <em>ob<\/em>&nbsp;\u2208 <em>Objekte<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>b)<\/strong> Formulieren Sie zwei 1-stellige Pr\u00e4dikate, welche in ihrem Wissensbestand zu finden sind. Beschreiben Sie jede der Pr\u00e4dikate inhaltlich in normaler Sprache. Versuchen Sie, eine Menge von Objekten oder anderen Entit\u00e4ten zu finden, deren Elemente auf das jeweilige Pr\u00e4dikat zutrifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem <em>n<\/em>-stelligen ( <em>n<\/em> &gt; <em>1<\/em> ) Pr\u00e4dikat kommt hinzu, dass jedes Element aus einer durch <em>p<sub>i <\/sub><\/em>interpretierten Menge des Namens <em>Pr\u00e4d<\/em> eine Liste der L\u00e4nge <em>n<\/em> (ein <em>n<\/em>-Tupel) sein muss. Wenn die Menge des Namens <em>Pr\u00e4d<\/em> verwendet werden soll, m\u00fcssen alle Elemente aus der Menge des Namens <em>Pr\u00e4d<\/em> die Form&nbsp;\u2329 <em>x<\/em><sub>1<\/sub>, &#8230;, <em>x<sub>n<\/sub><\/em>&nbsp;\u232a haben.&nbsp;\u2329 <em>x<\/em><sub>1<\/sub>, &#8230;, <em>x<sub>n<\/sub><\/em>&nbsp;\u232a ist dabei ein Element von <em>Pr\u00e4d<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p><\/p><p style=\"padding-left:30px;\">\u2329 <em>x<\/em><sub>1<\/sub>, &#8230;, <em>x<sub>n<\/sub><\/em>&nbsp;\u232a&nbsp;\u2208 <em>Pr\u00e4d<\/em>.<\/p><p><\/p>\n\n\n\n<p>Beispiele:<br>Im oben gerade beschriebenen Beispiel einer sozialpsychologischen Theorie werden zwei 1-stellige Pr\u00e4dikate verwendet: <em>Personen<\/em> und <em>Objekte<\/em>. In dieser Theorie wird ein 2-stelliges Pr\u00e4dikat eingesetz, welches wir <em>mag<\/em> nennen: eine Person <em>p<\/em> aus <em>Personen<\/em> <em>mag<\/em> das Objekte <em>ob<\/em> aus <em>Objekte<\/em>: kurz: <em>mag<\/em> ( <em>p<\/em>, <em>ob<\/em> ) oder auch&nbsp;\u2329 <em>p<\/em>, <em>ob<\/em> \u232a&nbsp;\u2208 <em>mag<\/em>.<br>In der klassischen Mechanik ist der Begriff der Masse wichtig. Formal wird ein 2-stelliges Pr\u00e4dikat, z.B. <em>Masse<\/em>, verwendet und in einem Modell wird <em>Masse<\/em> durch eine Funktion <em>m<\/em> interpretiert. Die Menge <em>P<\/em> der Argumente im Modell besteht aus den Partikeln, denen eine Masse zugeschrieben wird und als Wertemenge wird die Menge&nbsp;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/ql-cache\/quicklatex.com-4be6aa5c861ec4e62a3dfaebc88c1784_l3.png\" class=\"ql-img-inline-formula quicklatex-auto-format\" alt=\"&#92;&#109;&#97;&#116;&#104;&#98;&#98;&#123;&#78;&#125;\" title=\"Rendered by QuickLaTeX.com\" height=\"10\" width=\"11\" style=\"vertical-align: 0px;\"\/> der reellen Zahlen genommen. Die Funktion <em>m<\/em> hat also die Form <em>m<\/em> : <em>P<\/em>&nbsp;\u2192 <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/ql-cache\/quicklatex.com-4be6aa5c861ec4e62a3dfaebc88c1784_l3.png\" class=\"ql-img-inline-formula quicklatex-auto-format\" alt=\"&#92;&#109;&#97;&#116;&#104;&#98;&#98;&#123;&#78;&#125;\" title=\"Rendered by QuickLaTeX.com\" height=\"10\" width=\"11\" style=\"vertical-align: 0px;\"\/>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie in&nbsp;<a href=\"http:\/\/theory-of-science.com\/de\/uebungen\/abschnitt-02\/uebung-02-04\/\">\u00dc2-4<\/a> beschrieben, ist die Funktion <em>m<\/em> erstens eine 2-stellige Relation. Diese Relation bildet eine Teilmenge von <em>P<\/em>&nbsp;\u00d7 <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/ql-cache\/quicklatex.com-4be6aa5c861ec4e62a3dfaebc88c1784_l3.png\" class=\"ql-img-inline-formula quicklatex-auto-format\" alt=\"&#92;&#109;&#97;&#116;&#104;&#98;&#98;&#123;&#78;&#125;\" title=\"Rendered by QuickLaTeX.com\" height=\"10\" width=\"11\" style=\"vertical-align: 0px;\"\/>: <em>m<\/em>&nbsp;\u2282 <em>P<\/em> \u00d7 <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/ql-cache\/quicklatex.com-4be6aa5c861ec4e62a3dfaebc88c1784_l3.png\" class=\"ql-img-inline-formula quicklatex-auto-format\" alt=\"&#92;&#109;&#97;&#116;&#104;&#98;&#98;&#123;&#78;&#125;\" title=\"Rendered by QuickLaTeX.com\" height=\"10\" width=\"11\" style=\"vertical-align: 0px;\"\/>. Zweitens wird jedem Partikel genau eine positive, reelle Zahl&nbsp;\u03b1 zugeordnet, welche als <em>die<\/em> Masse des Partikels <em>p<\/em> bezeichnet wird: <em>m<\/em> ( <em>p<\/em> ) = \u03b1.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>c)<\/strong> Versuchen Sie zwei Pr\u00e4dikate in Ihrem Wissensbereich zu finden, welche 2-stellig sind oder noch mehr Stellen haben. Hat eine Ihrer Pr\u00e4dikate die Funktionseigenschaft? Werden in einem Ihrer Pr\u00e4dikate Zahlen verwendet?<br><\/p>\n\n\n<ul class=\"nav nav-pills nav-justified\">\n<li><a href=\"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/uebungen\/abschnitt-04\/uebung-04-01\/\">&lt;&lt;&lt;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/uebungen\/abschnitt-05\/uebung-05-01\/\">&gt;&gt;&gt;<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Mengensprache werden einige Pr\u00e4dikate p1, &#8230;, pn hinzugenommen, welche den Zweck haben, mehr Praktisches auszudr\u00fccken&nbsp;\u2014 zum Beispiel: eine empirische Theorie zu beschreiben. Ein Pr\u00e4dikat l\u00e4sst sich am besten als eine Art von Name f\u00fcr eine bestimmte Menge oder f\u00fcr eine bestimmte Art von Menge verstehen, f\u00fcr die sich einige Personen genauer interessieren. 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