{"id":4098,"date":"2019-05-10T15:21:21","date_gmt":"2019-05-10T13:21:21","guid":{"rendered":"http:\/\/theory-of-science.com\/de\/?p=4098"},"modified":"2019-05-12T11:24:18","modified_gmt":"2019-05-12T09:24:18","slug":"2019-sose-seminarstunde-03","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/2019\/05\/10\/2019-sose-seminarstunde-03\/","title":{"rendered":"2019 SoSe &#8211; Seminarstunde 03"},"content":{"rendered":"\n<h2>Sprachen und Ausdr\u00fccke<\/h2>\n<p>Wissenschaft und Wissenschaftstheorie werden durch Sprachen mitgeteilt und beschrieben.\u00a0 Ohne Sprache gibt es keine Wissenschaftstheorie. Aber sind Sprachen auch zentrale Bestand\u00adteile der Wissenschaftstheorie?<\/p>\n<p>Es gibt drei Arten von Sprachen: nat\u00fcrliche, universale und formale Sprachen. In einer Spra\u00adche werden viele verschiedene Arten von Ausdr\u00fccken benutzt, die je nach Situation bestimm\u00adten Bereichen zugeordnet werden.<\/p>\n<p>Die nat\u00fcrlichen Sprachen sind f\u00fcr die Wissenschaftstheorie durchaus relevant. Es ist aber auch klar, dass eine nat\u00fcrliche Sprache kein zentraler Bestandteil der Wissenschaftstheorie sein kann. Das schlagende Argument hierf\u00fcr lautet: die meisten Wissenschaftler k\u00f6nnen die anderen Spra\u00adchen, in denen viele der Menschen \u00fcber Wissenschaft sprechen, nicht verstehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Wissenschaftstheorie ist es sinnvoll, zwei sprachliche Ebenen zu unterscheiden. In der universellen Ebene wird ein Sprachfragment nur f\u00fcr abstrakte <em>Formen <\/em>benutzt. Erst in der Ebene der vielen verschiedenen Wissenschaften und Theorien wird jeweils eine spezielle for\u00admale Sprache verwendet &#8211; je nach Anwendungsfall einer Theorie.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Vorgehensweise sind die mengentheoretischen Sprachen besonders gut geeignet. Der men\u00adgentheoretische Rahmen l\u00e4sst einerseits Platz f\u00fcr alle wissenschaftlichen Inhalte. Dieser Rah\u00admen kann f\u00fcr die Mathematik ebenso gut verwendet werden, wie f\u00fcr Politologie oder Herme\u00adneutik. Auf der anderen Seite kann bei der Beschreibung eines bestimmten intendierten Systems mengentheoretisch immer weiter sowohl in abstraktere als auch in konkretere Ebe\u00adnen vorge\u00adsto\u00dfen werden.<\/p>\n<p>Mengentheoretische Terme sind inzwischen auch oft in der Wissenschaftstheorie anzutref\u00adfen. Terme f\u00fcr Entit\u00e4ten wie: Modelle, intendierte Systeme, Fakten, Theorienentwicklungen, reelle Zahlen und vieles mehr &#8211; werden immer durch atomare Bestandteile konstruiert. Einige dieser atomaren Ausdrucksformen sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt:<\/p>\n<table  class=\" table table-hover\" style=\"border-collapse: collapse; width: 100%; height: 213px;\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 26px;\">\n<td style=\"width: 50%; height: 26px;\"><em>a<\/em> \u2208 <em>G<\/em> ( oder <em>a<\/em><sub>i<\/sub> \u2208 <em>G<\/em><sub>j<\/sub> )<\/td>\n<td style=\"width: 50%; height: 26px;\">das Objekt <em>a<\/em> liegt in der Menge <em>G<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 26px;\">\n<td style=\"width: 50%; height: 26px;\">a \u2208 <em>H<\/em> ( oder a<sub>i<\/sub> \u2208 <em>H<\/em><sub>j<\/sub> )<\/td>\n<td style=\"width: 50%; height: 26px;\">eine Zahl a liegt in der Menge <em>H<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 23px;\">\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\"><em>a<\/em> \u2208 { <em>x <\/em>\/ <em>E <\/em>(<em>x<\/em>) }<\/td>\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">\n<p>ein Element <em>a<\/em> liegt in der Menge,<\/p>\n<p>deren Elemente <em>x<\/em> die Eigenschaft <em>E<\/em><\/p>\n<p>haben<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 23px;\">\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">\n<p>\u2329 <em>a<\/em>, <em>b<\/em>, <em>c <\/em>\u232a \u2208 <em>A \u00d7<\/em> <em>B \u00d7<\/em> <em>C<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>( oder: \u2329 a<sub>1<\/sub>, a<sub>2<\/sub>, a<sub>3 <\/sub>\u232a \u2208 <em>A<\/em><sub>1<\/sub> <em>\u00d7<\/em> <em>A<\/em><sub>2<\/sub> <em>\u00d7<\/em> <em>A<\/em><sub>3 <\/sub>)<\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">\n<p>die Liste \u2329 <em>a<\/em>, <em>b<\/em>, <em>c <\/em>\u232a liegt in der Menge<\/p>\n<p><em>A \u00d7<\/em> <em>B \u00d7<\/em> <em>C<\/em> (dem kartesischen Produkt<\/p>\n<p>der Mengen <em>A<\/em>,<em> B<\/em> und<em> C<\/em>)<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 23px;\">\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">\n<p>\u2329 <em>a<\/em>, a \u232a \u2208 <em>A \u00d7<\/em> <em>H<\/em>, oder<\/p>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ( \u2329 <em>a<\/em><sub>i<\/sub>, a<sub>j <\/sub>\u232a \u2208 <em>A<\/em><sub>r<\/sub> <em>\u00d7<\/em> <em>H<\/em><sub>s<\/sub> )<\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">\n<p>die Liste aus dem Objekt <em>a<\/em> und<\/p>\n<p>der Zahl a liegt in der Menge <em>A x<\/em> <em>H<\/em><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 23px;\">\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">\u2329 <em>a<\/em><sub>1<\/sub>, &#8230; , <em>a<\/em><sub>n <\/sub>\u232a \u2208 <em>R<\/em><\/td>\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">\n<p>Relation <em>R<\/em> dr\u00fcckt einen Sach-<\/p>\n<p>verhalt zwischen <em>a<\/em><sub>1<\/sub>, &#8230; , <em>a<\/em><sub>n<\/sub> aus<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 23px;\">\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">\n<p><em>f <\/em>( <em>a <\/em>) \u2208 <em>B<\/em><\/p>\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0 ( oder <em>f <\/em>( <em>a<\/em><sub>i <\/sub>) \u2208 <em>B <\/em>)<\/p>\n<\/td>\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">\n<p>der Funktionswert <em>f <\/em>( <em>a <\/em>) liegt<\/p>\n<p>in der Menge <em>B<\/em><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 23px;\">\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\"><em>c<\/em> \u2208 <em>K<\/em><\/td>\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">die Konstante <em>c<\/em> liegt in der Menge <em>K<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 23px;\">\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\"><em>p <\/em>( <em>E <\/em>) = a<\/td>\n<td style=\"width: 50%; height: 23px;\">\n<p>die Zahl a dr\u00fcckt aus, wie<\/p>\n<p>wahrscheinlich das Ereignis <em>E<\/em> ist<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Ein Ereignis l\u00e4sst sich auf viele verschie\u00addene Weisen und in verschiedenen Sprachen ausdr\u00fccken. In der n\u00e4chsten Abbildung sind Ausdr\u00fccke aus zwei nat\u00fcrlichen Sprachen <em>S<\/em><sub>1<\/sub>, <em>S<\/em><sub>2<\/sub> zu sehen. Einige hervorgehobene Ausdr\u00fc\u00adcke, die aus verschiedenen Beschreibungsebenen stammen, bezeichnen alle dasselbe reale Er\u00adeignis <em>e<\/em>. Zwei Rechtecke stellen zwei Sprachen dar, die in drei Beschreibungsebenen unterteilt sind. Die Punkte in den Rechtecken stellen Ausdr\u00fccke dar. Punkte im Oval der Abbildung sind graphisch dargestellte, reale Ereignisse. Diese Ereignisse werden normaler\u00adweise nicht wahrgenommen. Ein bestimmtes Ereignis <em>e<\/em> ist durch einen schwarzen Punkt her\u00advorgehoben. In den Rechtecken sind einige Ausdr\u00fccke ebenfalls durch schwarze Punkte dar\u00adgestellt und mit Symbolen <i>a<\/i><sup>i<\/sup><sub>j<\/sub>(<i>e<\/i>) bezeichnet. Der untere Index <i>j<\/i> l\u00e4uft \u00fcber die beiden Spra\u00adchen, der obere Index <i>i<\/i> \u00fcber Ausdrucksebenen. Der rechts eingezeichnete, dick gepunktete Pfeil deutet an, dass wei\u00adtere Sprachen hinzugef\u00fcgt werden k\u00f6nnen. Auf \u00e4hnliche Weise be\u00adsagt der dick gepunktete Pfeil oben links, dass weitere Ausdrucksebenen vorhanden sein k\u00f6nnten. Die d\u00fcnn gepunkteten Pfeile bedeuten, dass ein Ausdruck <i>a<\/i><sup>i<\/sup><sub>j<\/sub>(<i>e<\/i>) ein bestimmtes Er\u00adeignis <i>e<\/i> be\u00adzeichnet. Im Beispiel deuten alle schwarz hervorgehobenen Ausdr\u00fccke <i>a<\/i><sup>i<\/sup><sub>j<\/sub>(<i>e<\/i>) auf dasselbe rea\u00adle Ereignis <i>e<\/i>. Das Er\u00adeignis <i>e<\/i>, welches durch die drei symbolischen Ausdr\u00fccke <i>a<\/i><sup>1<\/sup><sub>1<\/sub>(<i>e<\/i>), <i>a<\/i><sup>2<\/sup><sub>1<\/sub>(<i>e<\/i>), <i>a<\/i><sup>3<\/sup><sub>1<\/sub>(<i>e<\/i>) bezeichnet wird, l\u00e4sst sich in der deutschen Sprache auf verschiedene Weise ausdr\u00fc\u00adcken. Auf einer ersten, tech\u00adnischen Ebene k\u00f6nnte zum Beispiel der Ausdruck <i>Umwandlung von Kohle in Energie<\/i> benutzt werden. Auf einer \u00f6konomischen Ebene w\u00e4re der Ausdruck <i>Produktion von Strom durch das Unternehmen RWE <\/i>treffend und auf \u00f6kologischer Ebene k\u00f6nnte der Ausdruck <i>Einbringen von Schadstoffen in die Atmosph\u00e4re<\/i> verwendet wer\u00adden. Auf \u00e4hnliche Weise lassen sich die Aus\u00addr\u00fccke <i>a<\/i><sup>1<\/sup><sub>2<\/sub>(<i>e<\/i>), <i>a<\/i><sup>2<\/sup><sub>2<\/sub>(<i>e<\/i>), <i>a<\/i><sup>3<\/sup><sub>2<\/sub>(<i>e<\/i>) in der englischen Sprache for\u00admulieren. Ein Beispiel f\u00fcr einen \u00fcber\u00adlappenden Ausdruck <i>a<\/i><sup>1<\/sup><sub>2<\/sub>(<i>e<\/i>) w\u00e4re zum Bei\u00adspiel <i>googeln<\/i>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1581\" src=\"http:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/05\/Ausdr\u00fccke-f\u00fcr-ein-Ereignis-auf-verschiedenen-Ebenen-291x300.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/05\/Ausdr\u00fccke-f\u00fcr-ein-Ereignis-auf-verschiedenen-Ebenen-291x300.png 291w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/05\/Ausdr\u00fccke-f\u00fcr-ein-Ereignis-auf-verschiedenen-Ebenen-768x792.png 768w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/05\/Ausdr\u00fccke-f\u00fcr-ein-Ereignis-auf-verschiedenen-Ebenen-992x1024.png 992w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/05\/Ausdr\u00fccke-f\u00fcr-ein-Ereignis-auf-verschiedenen-Ebenen.png 1070w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Diese linguistische Situation wird durch eine wissenschaftliche Anwendung genauer erl\u00e4utert. In der folgenden Abbildung ist im unteren Bereich ein reales System aufgef\u00fchrt &#8211; ein mechanischer Sto\u00df &#8211; wie er in der klassischen Mechanik untersucht wird. Man sollte sich hierbei den gezeich\u00adneten Sto\u00df als tats\u00e4chlich stattfindend vorstellen und ihn direkt wahrnehmen. Ein schwarz dar\u00adgestelltes, \u201eschweres\u201d Partikel st\u00f6\u00dft mit einem wei\u00dfen, \u201eleichten\u201d Partikel auf einer gera\u00adden Linie zusammen. Diese experimentelle Anordnung ist in der Literatur oder im Internet oft zu finden. Um die r\u00e4umlichen Abst\u00e4nde zu messen, steht ein Stab, ein Meterma\u00df, parallel zur Sto\u00dfebene und eine per Hand startbare Uhr bereit. Diese Uhr ist durch eine <em>t<\/em>-Achse repr\u00e4sen\u00adtiert.<\/p>\n<p>Links oben sind die wichtigsten Ausdr\u00fccke, mit denen dieses Ereignis physikalisch beschrie\u00adben werden kann, in deutscher Sprache notiert. Rechts oben ist eine \u00e4hnliche Liste mit Aus\u00addr\u00fccken in englischer Sprache zu sehen. Von einigen Ausdr\u00fccken f\u00fchren gepunktete Pfeile zu den ent\u00adsprechenden Teilen oder Teilprozessen, die im ablaufenden Sto\u00df vorhanden sind. So deutet beispielsweise der Ausdruck <em>schwarze Kugel<\/em> auf die im Sto\u00df zu sehende schwarze Ku\u00adgel hin: der Ausdruck bezeichnet einen materielle Gegenstand. Der Ausdruck <em>Sto\u00df<\/em> deutet auf ein Er\u00adeignis. Der Ausdruck <em>Dimension<\/em> kann nicht direkt auf etwas Konkretes hindeuten. Ein Aus\u00addruck dieser Art wird sprachlich normalerweise auf andere Ausdr\u00fccke zur\u00fcckgef\u00fchrt. Der in der Abbildung eingezeichnete Pfeil unten links besagt, dass die Ausdr\u00fccke im realen Sys\u00adtem eine bestimmte Bedeutung haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-4102\" src=\"http:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/05\/Abb_04_2-272x300.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"441\" srcset=\"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/05\/Abb_04_2-272x300.png 272w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/05\/Abb_04_2-768x847.png 768w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/05\/Abb_04_2-928x1024.png 928w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2019\/05\/Abb_04_2.png 1254w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Begriffe<\/h2>\n<h3>Begriff: Einf\u00fchrung<\/h3>\n<h4>Was ist ein Begriff?<\/h4>\n<p><i>Begriff<\/i> &#8211; etymologisch vom Stammwort <i>greifen<\/i> abgeleitet \u2013 bedeutet:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: disc;\">\n<li>In erster N\u00e4herung eine Vorstellung einer Sache, die zum Greifen nahe ist und die durch Sprache ausgedr\u00fcckt werden kann.<\/li>\n<li>In zweiter N\u00e4herung, bevor die Mengenlehre auf den Plan trat, wurde der Begriff in Um\u00adfang und Inhalt unterteilt.<\/li>\n<li>In dritter N\u00e4herung wurden schlie\u00dflich auch Mengen be\u00adnutzt. Der Umfang eines Begriffs wird als eine Menge vorgestellt; die Elemente dieser Menge fallen unter diesen Begriff.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch beim Inhalt eines Begriffs werden weitere Bestandteile, wie syntaktische, paradigmatische und semantische Elemente unterschieden. Haupts\u00e4chlich durch psychologische Untersuchungen wurde klar, dass dem Begriff ein be\u00adgrifflicher Raum (<i>conceptual<\/i> <i>space<\/i>) zugeordnet werden muss, der auch mehrere Dimensio\u00adnen haben kann. Zum Beispiel werden beim Begriff des Raumes norma\u00adlerweise drei r\u00e4umliche Dimensionen unterschieden. Bei einem anderen Ansatz, wird der Inhalt eines Begriffs durch sprachliche Ausdr\u00fccke und Konstrukte dargestellt.<\/p>\n<h3>Der &#8222;Tripelansatz&#8220; von Kuznetsov<\/h3>\n<h4>Definition<\/h4>\n<p>Im \u201eTripelansatz\u201d von <i>Kuznetsov<\/i> besteht ein Begriff <i>B<\/i> aus drei Komponenten, n\u00e4mlich aus dem <i>Wirklichkeitsbereich<\/i> <i>W<\/i> des Begriffs, aus einer Gesamtheit <i>K<\/i> von <i>Konstrukten<\/i> des Be\u00adgriffs und aus einer Menge <i>E<\/i> von sprachlichen <i>Ausdr\u00fccken<\/i> (englisch: <em>expression<\/em>) f\u00fcr den Begriff:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><i>B<\/i> =\u00a0\u2329 <i>W<\/i>, <i>K<\/i>, <i>E \u232a<br \/><\/i><\/p>\n<p>Diese drei Komponenten liegen in verschiedenen Dimensionen: die Ausdr\u00fccke in der Sprach\u00addimension, die wirklichen Ereignisse in der Wirklichkeitsdimension und ein Konstrukt in der Dimension der Mengen.<\/p>\n<p>Eine Menge ist philosophisch gesehen eine Art Zwitter. Sie enth\u00e4lt einen Sprachanteil und ei\u00adnen \u201enat\u00fcrlichen\u201d Anteil, der unabh\u00e4ngig von menschlicher Wahrnehmung existiert. Die Menge der Planeten zum Beispiel wird einerseits von einer Person mental erfasst und durch Worte ausgedr\u00fcckt. Andererseits sind die meisten Menschen der Meinung, dass es viele ver\u00adschiedene Planeten, wie zum Beispiel unsere Erde und die Venus &#8211; also eine Art von Gesamt\u00adheit &#8211; auch geben w\u00fcrde, wenn die Menschheit nicht existieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der Wirklichkeitsbereich <i>W<\/i> des Begriffs besteht aus einer sehr gro\u00dfen Menge von Ereignis\u00adsen (\u201ePh\u00e4nomenen\u201d), \u00fcber die ohne Sprache nichts ausgesagt werden kann. Ein solches Er\u00adeignis ist etwas, das letztlich nur durch eine Person wahrgenommen wird oder zu einem fr\u00fche\u00adren Zeit\u00adpunkt wahrgenommen wurde. Weitere abstrakte, konstruierte oder rein gedachte Ph\u00e4\u00adnomene lassen sich immer von den direkt wahrgenommenen Ereignissen ableiten. Zum Bei\u00adspiel nimmt eine Person zu einem Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort ein Ereignis wahr, welches sie durch den Ausdruck <i>die Venus geht gerade auf<\/i> \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Ein Konstrukt aus K ist eine Komponente eines Modells einer Theorie <i>T<\/i>, wobei das Konstrukt zu einem bestimmten Begriff der Theorie <i>T<\/i> geh\u00f6rt. Ein Modell hat die Form<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><i>\u2329 G<\/i><sub>1<\/sub>, &#8230;, <i>G<\/i><sub>k<\/sub>, <i>A<\/i><sub>1<\/sub>, &#8230;, <i>A<\/i><sub>m<\/sub>, <i>R<\/i><sub>1<\/sub>, &#8230;, <i>R<\/i><sub>n<\/sub> \u232a<\/p>\n<p>wobei <i>G<\/i><sub>1<\/sub>, &#8230;, <i>G<\/i><sub>k<\/sub> die Grundmengen, <i>A<\/i><sub>1<\/sub>, &#8230;, <i>A<\/i><sub>m<\/sub> \u00a0die Hilfsbasismengen und <i>R<\/i><sub>1<\/sub>, &#8230;, <i>R<\/i><sub>n<\/sub> die Relationen des Modells sind. Ein Konstrukt kann die Form einer Grundmenge oder einer Relation des Modells haben, es kann aber auch durch die Grundmengen und Relationen defi\u00adniert sein &#8211; in einfacher oder komplexer Weise.<\/p>\n<p>Die dritte Komponente <i>E<\/i> eines Begriffs enth\u00e4lt einerseits Ausdr\u00fccke, die auf Ereignisse deu\u00adten, welche unter den Begriff fallen. Ein solcher Ausdruck kann ein Name oder eine ausf\u00fchr\u00adlichere Beschreibung eines Objekts oder eines Ph\u00e4nomens sein. Andererseits enth\u00e4lt <i>E<\/i> Aus\u00addr\u00fccke, die den Begriff \u201eals Ganzes\u201d bezeichnen. Die Ausdr\u00fccke der letztgenannten Art be\u00adzeichnen abs\u00adtrakte, allgemeine Sachverhalte. Ein solcher Ausdruck enth\u00e4lt zwingend auch mindestens eine Variable, n\u00e4mlich f\u00fcr die Ereignisse, die unter diesen Begriff fallen. Unter den Ausdr\u00fccken finden wir normalsprachliche Terme, S\u00e4tze und Phrasen, wie <i>Hartz IV<\/i>; <i>Die Erde kreist um die Sonne<\/i>; oder <i>der helle Abendstern<\/i>. In wissenschaftlichen Beschreibungen spielen zus\u00e4tzlich Va\u00adriablen eine wichtige Rolle, mit denen verschiedene m\u00f6gliche, in Wirk\u00adlichkeit aber nicht statt\u00adfindende Ereignisse er\u00f6rtert und beschrieben werden. Bei einem Term, einem Satz und einem Ausdruck kann man ein Substantiv eventuell an mehreren Stellen durch eine Variable ersetzt. Aus einem Satz entsteht auf diese Weise eine sogenannte <i>Formel<\/i>. Eingeschr\u00e4nkt auf eine bestimmte Theorie und einen bestimmten Begriff, der zu dieser Theo\u00adrie geh\u00f6rt, l\u00e4sst sich ein Ausdruck angeben, welcher die Menge aller Konstrukte des Begriffs be\u00adinhaltet. Die einzelnen Konstrukte des Begriffs sind Teile von Modellen dieser Theorie. Der so abstrakt umschriebene Bereich charakterisiert somit den Inhalt des Begriffs durch ein mengen\u00adtheoretisches Pr\u00e4dikat.<\/p>\n<h4>Beziehung zwischen den drei Komponenten<\/h4>\n<p>Die drei Komponenten eines Begriffs werden durch drei Beziehungen zusammengehalten:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: disc;\">\n<li>Bei der ersten Beziehung <i>deutet<\/i> ein Ausdruck auf ein wirkliches Ereignis.<\/li>\n<li>Bei der zweiten Bezie\u00adhung <i>bezeichnet<\/i> ein Ausdruck &#8211; situationsabh\u00e4ngig &#8211; ein Konstrukt.<\/li>\n<li>Bei der dritten Beziehung <i>passt<\/i> ein Konstrukt <i>zu<\/i> dem Wirklichkeitsbereich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle drei Beziehungen werden in vielen Dis\u00adziplinen, wie zum Beispiel Philosophie, Psychologie, Kognitionswissenschaft, Linguistik und Informatik genauer untersucht.<\/p>\n<h4>Ein Begriff <em>B<\/em> und seine drei Komponenten <em>W<\/em>, <em>K<\/em> und <em>E<\/em>.<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1887\" src=\"http:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/11\/fig23-1024x811.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/11\/fig23-1024x811.png 1024w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/11\/fig23-300x238.png 300w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/11\/fig23-768x609.png 768w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/11\/fig23.png 1262w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<h4><b>Strukturelle \u00c4hnlichkeit von Theorien und Begriffen<\/b><\/h4>\n<p>Es ist deutlich zu erkennen, dass Theorien und Begriffe strukturell \u00e4hnlich sind:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: disc;\">\n<li>Die Menge der Faktensammlungen einer Theorie entspricht dem Wirklichkeitsbereich eines Begriffs.<\/li>\n<li>Die Modelle entsprechen den Konstrukten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Unterschied zwischen Begriffen und Theorien besteht darin, dass bei den Begriffen die normalen Sprachen eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen als bei den Theorien.<\/p>\n<h3>Begriff: Beispiele<\/h3>\n<h4>Der Begriff <i>die Planeten<\/i> in der <i>kopernikanischen<\/i> Theorie<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1889\" src=\"http:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/11\/fig24-1024x735.png\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/11\/fig24-1024x735.png 1024w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/11\/fig24-300x215.png 300w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/11\/fig24-768x552.png 768w, https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/11\/fig24.png 1125w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<h4>Der Begriff des <i>Nutzens<\/i><\/h4>\n<p>Dieser Begriff liegt in der Wissenschaft weit weg von der Beobachtungsebene. Einen Nutzen k\u00f6nnen wir nicht direkt wahrnehmen. Trotz\u00addem spielt er in der heutigen Weltsicht eine zentrale Rolle; alle Handlungen der Menschen werden so gedeutet, dass sie einen m\u00f6glichst gro\u00dfen Nutzen haben sollen. Der Begriff des Nut\u00adzens ist von einem anderen Typ als zum Beispiel der der Sonne. Nutzen ist in der Grund\u00adbedeu\u00adtung eine relationale Beziehung zwischen einer Person und den Gegenst\u00e4nden, die sie besitzt oder besitzen m\u00f6chte. Je mehr Dinge eine Person besitzt, desto mehr Nutzen kann die Person (normalerweise) aus diesen ziehen &#8211; desto mehr Nutzen hat sie. Dieser Begriff wird heute in vielen verschiedenen Bedeutungsvarianten verwendet. Sowohl der Wirklichkeitsbe\u00adreich als auch das Konstrukt ist nicht einfach zu beschreiben.<\/p>\n<p>In der deutschen Sprache werden Ausdr\u00fccke verwendet wie: <i>Nutzen<\/i>, <i>Nutzenfunktion<\/i>, <i>Nutzen\u00adfunktion einer Person in einer Situation<\/i>, und viele weitere. Das Substantiv <i>Nutzen<\/i> bezeichnet ein schwer verst\u00e4ndliches, wirkliches Objekt. \u00dcber den Wirklichkeitsbereich des Begriffs l\u00e4sst sich ohne Worte wenig sagen. Der Begriff bekommt mehr Inhalt, wenn wir durch die Sprache mehr \u00fcber die Wirklichkeit und \u00fcber \u00f6konomische Modelle erfahren.<\/p>\n<h3>\u00a0<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprachen und Ausdr\u00fccke Wissenschaft und Wissenschaftstheorie werden durch Sprachen mitgeteilt und beschrieben.\u00a0 Ohne Sprache gibt es keine Wissenschaftstheorie. Aber sind Sprachen auch zentrale Bestand\u00adteile der Wissenschaftstheorie? Es gibt drei Arten von Sprachen: nat\u00fcrliche, universale und formale Sprachen. In einer Spra\u00adche werden viele verschiedene Arten von Ausdr\u00fccken benutzt, die je nach Situation bestimm\u00adten Bereichen zugeordnet werden. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-4098","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-2019-sose-seminar-wissenschaftstheorie-und-simulation-von-wissenschaftstheoretischen-modulen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4098","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4098"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4098\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4119,"href":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4098\/revisions\/4119"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4098"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4098"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/theory-of-science.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4098"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}